Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Die Brabecker Ahnfrau


Die Ahnfrau zu Brabeck im Kerkhell’ner Land,

so mancher von ihrer Hand Verderben fand.

 

Nach Brabeck kamen Rittersleute.

Der Burgvogt nahm sie freundlich auf.

Sie waren eine wilde Meute.

So nahm das Schicksal seinen Lauf.

 

Der Ahnfrau zeigten sie nur Spott.

Forderten Wein und Bier.

Lästerten gar den lieben Gott.

Unendlich schien die Gier.

 

Als das Abendmahl wurd’ aufgetragen,

stolperte der Knabe an der Schwelle.

Auf dem Boden und in Scherben lagen

das Geschirr, Besteck und auch die Kelle.

 

Der Knabe kam ein zweites Mal.

Brote und Schinken wurden Stein.

Groß war der Rittermeute Qual.

- Zum Umtrunk lud die Ahnfrau ein. -

Nach Pisse schmeckte dann der Wein.

 

Als der gebrat’ne Truthahn fort geflogen,

hörte man „Hexerei“ sie sagen.

Der Meute Stühle wurden weg gezogen,

so dass sie auf dem Boden lagen.

 

Vergeblich versuchten sie aufzustehen.

Sodann erloschen alle Kerzen.

Gar übel sollte es ihnen ergehen.

Furcht schlich leise in ihre Herzen.

 

Der Boden öffnete sich mit Krachen.

Die Teufel stürzten in den Tod.

Lauthals hörte man die Ahnfrau lachen.

Vergeltung lautet ihr Gebot.

 

Die Ahnfrau zu Brabeck im Kerkhell’ner Land,

so mancher von ihrer Hand Verderben fand.

 

Ein Knappe sollte Vater werden

und trank darauf wohl zu viel Wein.

Spürte alles Glück dieser Erden.

Im Rausch lud er die Ahnfrau ein.

 

Diese erschien am Kindtauffeste

mit gar mächtigem Donnergrollen.

Dem Kind wünschte sie nur das Beste.

Dem Vater wollte Dank sie zollen.

 

In acht Tagen soll er sie besuchen.

Man hört den Knappen keuchen.

So trank sie den Wein und aß den Kuchen.

Er wird ihr nicht entfleuchen.

 

Acht Tage gingen rasch vorbei.

Dem Knappen ist es nicht geheuer.

Der Ahnfrau ist es einerlei.

Sie führte ihn ins Grabgemäuer.

 

Dort ließ sie ihn allein zurück

inmitten einem Kreis von Särgen.

Die Angst rückt näher Stück für Stück.

Was mag in ihnen sich verbergen?

 

Es erhoben sich Skelette

und streckten zu seinem Graus

an dieser düsteren Stätte

ihre Arme nach ihm aus.

 

Den Knappen überkam die Ohnmacht.

Tröstend weckte ihn die Ahnfrau auf.

Sie hatte wohl über ihn gewacht

und führte ihn aus dem Gewölbe rauf.

 

Zu Hause endlich angekommen

warf Fieber ihn aufs Krankenbett.

Sein Lebensfunke bald verglommen.

Die Ahnfrau dankt fürs Festbankett.

 

Die Ahnfrau zu Brabeck im Kerkhell’ner Land,

so mancher von ihrer Hand Verderben fand.

 

Ein Pilger besuchte Brabecks Haus.

Ging abends in die Burgkapelle.

Dort schwebte zu seinem großen Graus

die Ahnfrau über die Türschwelle.

 

„Ach bitte gütiger Geist,

lass mich doch weiter leben.

Wenn du mir die Richtung weist,

will dir Erlösung geben.“

 

Zum Burgturm führte ihn die Ahnfrau.

Zeigte dem Pilger ein düst’res Verlies,

wo bleiche Knochen im Modertau

lagen, auf die sie mit dem Finger wies.

 

Als der Pilger die Gebeine zu Grabe trug,

endete sogleich der Ahnfrau schauriger Spuk.

 

(Nach Motiven einer Sage aus Bottrop-Kirchhellen.)