Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Der Wallmeister von Dorsten


Als der Dorstener Bitten vernommen,
haben endlich sie das Recht bekommen,
mit Gräben, Türmen, Wällen,
die Siedlung zu umstellen.

Doch wer soll es erbauen?
Nach Fachkraft umzuschauen,
begannen Dorst'ner Bauern.
Sie wollten feste Mauern.

Nachdem der Wallmeister gefunden,
wurden die Bauern arg geschunden.
Er war ein böser, zorniger Mann,
dessen Peitsche schmerzhaft knallen kann.

Sie litten unter seiner Knute.
"Komm her, du Hund, du kriegst die Rute!",
hörte man ihn lauthals schreien,
sich dem Untergange weihen.

Wenn er strafte mit Verzücken,
trafen Flüche seinen Rücken.
So geriet nach seinem frühen Tod,
seine Sünderseel' in arge Not.

Gleich wie sehr er ruhen mag,
jedes Jahr am Thomastag,
muss als schwarzer Hund er auferstehen,
über Hohlwege nach Dorsten gehen.

Erst wenn ein Mann, den er gegrüßt,
ehrlich nach seinem Schicksal fragt,
ist seine Schuld endlich verbüßt.
Bis dahin ihn die Strafe plagt.

 

(Nach Motiven einer Sage aus Dorsten.)