Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Der Leuchter der Äbtissin Mathilde 


Mathilde, die Äbtissin der Damen

im reichsunmittelbaren Stift zu Essen

gab einen Leuchter mit sieben Armen,

damit nach ihrem Tod sie nie vergessen.

 

Nicht zufällig fiel ihre Wahl

auf ein solches Vermächtnis.

Sieben ist eine heil’ge Zahl.

Sie bleibt dir im Gedächtnis.

 

Drei für Vater, Sohn und heil’gen Geist,

wissen die im Glauben festen.

Vier auf die Himmelsrichtungen weist:

Norden, Süden, Osten, Westen.

 

Siebenfach die Zahl der Gaben,

die durch den heil’gen Geist gesandt,

wir von Gott erhalten haben.

Das ist von Alters her bekannt.

 

Leuchten soll er an Festtagen,

bis Mathilde dereinst starb

und sie in die Gruft getragen,

in ihr kühles, dunk’les Grab.

 

So wünschte es Mathilde,

doch wäre dies beinah missglückt,

weil Sakristanin Hilde

an einem Tage ganz entrückt.

 

Hilde vergaß des Leuchters Kerzen.

„Herr, lass erstrahlen dein Licht!“,

betete sie mit heißem Herzen

und mit voller Zuversicht.

 

Es schwangen auf des Münsters Türen.

„Ach, Herr, dich meiner doch erbarme.“,

als Hildes Flehen war zu spüren,

entflammten alle sieben Arme.

 

Mathild abatissa me fieri jussit et Christo consecravit.

 

(Nach Motiven einer Sage aus Essen.)