Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Der Grote Jann


Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

Er schlich nachts durch Kerkhellen,

Grenzsteine zu verstellen. 

So schrumpfte an mancher Stelle

armen Bauern die Parzelle. 

 

Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

Hungernden Kindern stahl er Brot,

lachte gar über ihre Not.

Habgier lautet die Todsünde,

führt dich tief in Höllengründe.

 

Mit Fegefeuerqualen

muss Jann für sie bezahlen.

So kam bald nach seinem Tod

Ungerechtigkeit ins Lot.

 

Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

Verdammt wurde der Grote Jann.

Damit er niemals ruhen kann,

muss jede Nacht er aufersth’n

und klagend durch die Heide geh’n. 

 

Mit Augen groß wie’s Wagenrad,

bereut der Jann manch böse Tat.

Ein Mühlstein lastet schwer auf seinem Haupt,

erinnert ihn an die, die er beraubt. 

 

Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

Mag er auch Besserung geloben, 

erst wenn die Stein’, die er verschoben 

wieder an ihrem Ursprung stehen,

wird Jann endlich zur Ruhe gehen.

 

Doch jedes Jahr im Monat Mai,

darf nur um einen Hahnenschrei

er einen Stein verrücken.

Die Ruhe wird nicht glücken.

 

Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

Einst fand man ihn am Frohnenhof liegen,

den Mühlstein mit seinen Händen wiegen.

Die Bauern erschraken wohl sehr,

riefen Patres aus Dorsten her. 

 

Die versuchten mit Gesängen,

wahrlich feierlichen Klängen,

den Jann vom Hof zu bannen

hinaus zu Heid’ und Tannen. 

 

Erfolgreich ihr Gesang,

das Bannen so gelang. 

 

Auch von der Heid’ wollten sie ihn scheuchen, 

jedoch sollten sie dort selbst entfleuchen. 

Spinnen webten der Patres Münder zu.

Der Grote Jann kommt nimmermehr zur Ruh’. 

 

Der Grote Jann, der Grote Jann,

das war ein wirklich böser Mann.

 

(Nach Motiven einer Sage aus Bottrop-Kirchhellen.)