Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Notgeld und Wertmarken 

Geld bezieht seinen Wert daraus dass der aufgedruckte oder geprägte Wert gegen Waren dieses Wertes eingetauscht werden kann. Kommt es zu einer Inflation verteuern sich diese Waren und man kann für den gleichen Geldwert weniger kaufen. Zeitgleich schwindet das Vertrauen in das Geld als Mittel zum Tausch gegen Waren. Wird das staatliche Geld immer weniger wert oder kann aus anderen Gründen (in der frühen Neuzeit zum Beispiel die Belagerung einer Stadt) nicht als Zahlungsmittel eingesetzt werden, ist die Zeit für Notgeld gekommen.   

1923: 200 Millionen Mark Schein der Friedrich Krupp AG aus Essen

Notgeld wurde nicht nur von Städten und Gemeinden ausgegeben, sondern auch von großen Konzernen oder reichen Privatpersonen. Wichtig dabei ist dass Vertrauen in das Geld als Warentauschwert vorhanden ist, weil ein entsprechendes Vermögen hinter ihm steht. Wenn ein Markus von der Gathen einen 200.000 Euro Notgeldschein herausgeben würde, so wäre dieser sicherlich nicht mehr wert als das Papier auf dem gedruckt wurde. Hätte ein Alfred Krupp dies getan (wenn es zu seinen Lebzeiten schon den Euro gegeben hätte), so sähe die Sache schon anders aus. 


Nicht aus der Not, sondern aus der Notwendigkeit eine Parallelwährung zu schaffen, werden Wertmarken ausgegeben. Dies geschieht heute noch etwa auf Schützenfesten (Biermarken) oder an Tankstellen (für Sauger und Hochdruckreiniger). Dies geschah aber auch in der Vergangenheit. 

1728: Jesus auf einer 1 Groschen Wertmarke Wiener Armenhausgeld, deutlich erkennbar am Kreuznimbus

Ein interessantes Beispiel für historische Wertmarken ist das Wiener Armenhausgeld. Dies war ein Hausgeld, welches in der frühen Neuzeit zur Bezahlung der Verpflegung im Wiener Armenhaus diente und aus Spenden finanziert wurde. Bemerkenswert dabei ist, dass Menschen je nach ihrem sozialen Rang unterschiedlich viel Armenhausgeld erhielten.  

 

Die Staffelung war:    

Kind: 1 Groschen (gleich 12 Pfennig)
Erwachsener (Mann/Frau): 2 Groschen

 

Kriegsversehrte (welche gegen die Türken vor Wien gekämpft haben):

Einfacher Soldat 4 Groschen
Oberoffizier 6 Groschen
Oberoffiziersfrau 3 Groschen

(Wittelshöfer 1856)

 

Dass Notgeld nicht aus der Mode kommt sieht man, wenn man sich folgende Tatsache vor Augen führt: In den 1960er Jahren ließ die Bundesbank heimlich Ersatznoten für die Münznominale 5 Pfennig bis 2 Mark herstellen, um diese bei einer Bedrohung durch den Warschauer Pakt (etwa falls dieser versucht das Währungssystem durch Falschgeld zum Einsturz zu bringen) in Umlauf zu bringen. Mit der Euro Einführung wurden diese Banknoten, die niemals in Umlauf waren, vernichtet. Nur einige wenige Scheine "fielen vom LKW" und gerieten in Sammlerhände.