Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Servus Scarabeus

Für Julia - Freundin und Muse

 

Eines Morgens, klipe-di-klap,

da waren Gregors Arme ab.

Nun hat er aber sechs Beine.

Dinge fassen kann er keine.

Sein Körper mit Chitin bewehrt,

jede Bewegung ist erschwert.

Ergeben bleibt er so liegen,

lässt sich metamorph besiegen.

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

Da ein Käfer schwer reden kann,

kann er nichts verkauf'n und sodann

bleibt Gregor im Bett unzufried'n,

denkt an das Leben ihm beschied'n.

"Benötigen sie noch mehr Tuch?",

diese Frage, sie war sein Fluch.

Arbeit, die er von Grund auf hasst,

doch drückt des Vaters Schuldenlast.

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

So liegt Gregor da und denkt nach,

sehr zu der Eltern Ungemach.

Denn ohne Arbeit keinen Lohn,

nur dazu brauchen sie den Sohn.

Es kommt schon bald der Prokurist,

fragt wo der Sohn geblieben ist.

Als er sieht die Käfergestalt,

endet - im Hui - sein Aufenthalt.

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

Doch nun zu Gregors großem Hohn

mussten die Eltern ohne Lohn

von ihm jetzt vom Gelde leben,

das sie niemals zu gegeben.

Die Schwester, deren Studium

an dem Konservatorium

Gregor einst bezahlen wollte,

ihm keinen Respekt mehr zollte.

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

Reste gibt man ihm zu fressen,

sein Menschsein scheint bald vergessen.

Man räumt sein ganzes Zimmer leer,

doch dies nicht ohne Gegenwehr.

Das Bildnis der Dame im Pelz,

das Sklaventierchen Gregor hält’s

mit den Beinen fest umschlungen.

Um die Venus wird gerungen!

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

Bei dem Kampf wird Gregor verletzt,

im Rücken stecken Äpfel fest.

Ohne Behandlung isoliert

ist er schon bald völlig vertiert.

Einen letzten Zug Menschlichkeit,

weckt der Schwester Violinspiel Leid.

Sklaventierchen will zuhören,

muss die Untermieter stören.

 

Entmenschlicht nun auch in Gestalt,

ein Sklaventierchen ist er halt.

 

Nach der Untermieter Auszug,

hat die Familie wohl genug.

Es kommt zum letzten Zerwürfnis,

Schwester hat gar Mord-Bedürfnis.

Gregor weiß dass niemand ihn will,

vergeht allein, elend und still.

Seinen Kadaver - großer Graus -

kehrt morgens man zur Türe raus.

 

Entmenschlicht auch in seinem Tod.

Wen kümmert Sklaventierchens Not?

 

So hat es wohl der Franz erdacht

und daraus flux ein Buch gemacht,

das heute jedes Schulkind kennt

und wer's nicht kennt, der hat gepennt.