Markus von der Gathen

Historiker - Theologe - Erziehungswissenschaftler
Numismatiker - Teilzeitpoet - Premierengast

Filmpremieren 2014

Hier seht ihr Berichte zu den von mir im Jahr 2014 besuchten Filmpremieren.

7. "Der letzte Mentsch" am 30.04.2014 in der Lichtburg Essen

Ein Film der richtig nahe geht.  

Menachem Teitelbaum hat als Jugendlicher den Holocaust überlebt. Nach dem Ende des Krieges und seiner Befreiung jedoch nahm er den deutschen Namen "Marcus Schwarz" an und legte neben dem Namen auch seine jüdische Identität ab, um damit die Schrecken und die Erinnerung an die Lager zu löschen. Nun am Ende seines Lebens besinnt er sich auf seine jüdischen Wurzeln zurück und möchte auf einem jüdischen Friedhof bestattet werden. Gar nicht so einfach, denn dafür braucht es eine Bescheinigung dass er ein Jude ist und die bekommt er nur mit Zeugen. "Was wäre wenn es eines Tages nur einen einzigen Überlebenden gäbe?", fragt er den Rabbiner, der ihm antwortet dass dies eine gute Frage sei. Menachem/Markus macht sich also in Begleitung der Türkin Gül, die ihn für 500€ plus Benzin ohne Spesen fährt, auf den Weg nach Ungarn um dort Zeugen für seine Herkunft zu finden. Anders als im Christentum bleiben im Judentum Grabflächen ewig bestehen, da man daran glaubt dass die Toten am jüngsten Tag aus ihnen Auferstehen und zum jüngsten Gericht nach Jerusalem gehen. Interessanterweise sind darum auch Gräber umso kostspieliger je näher sie an Jerusalem liegen. Jeder will der Erste sein. So kann ich durchaus nachvollziehen dass Menachem sich gegen Ende seines Lebens nach seiner jüdischen Identität zurück sehnt.  

Der Film ist an vielen Stellen sehr symbolhaltig. Nicht ohne Zufall wird die Türkin Gül (bedeutet "Rose") heißen. Rosen sind im Islam heilige Blumen. Und zu Beginn des Road Trip ist neben Islam und Judentum auch die dritte abrahamitische Religion durch einen Rosenkranz am Innenspiegel im Auto vertreten. Mario Adorf spielt die Rolle des Holocaustüberlebenden eindrucksvoll und glaubhaft. "Ich erinnere mich nicht an das Lächeln meiner Mutter." , bei diesem Satz läuft mir noch ein Schauer über den Rücken. Aber auch in den Nebenrollen ist der Film - etwa durch Hannelore Elsner - gut besetzt. Besonders hervorheben möchte ich noch Katharina Derr, die eine Gül spielt, welche einem durch und durch sympathisch ist und die sich nicht neben Mario Adorf verstecken muss. 

Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube: Der letzte Mentsch Trailer

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Einige Impressionen von der Premiere:


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 8. "Zeit der Kannibalen" am 13.05.2014 in der Lichtburg Essen

Was für ein bitterböser Film. Kohlrabenschwarzer Humor vom feinsten. 

Frank Öllers und Kai Niederländer reisen als Unternehmensberater rund um den Globus. Es gilt Firmen zu optimieren, Unternehmenssparten auszulagern, Produktionen zu verlagern, Gewinne zu maximieren. Dabei verlassen sie nie die geschützte Umwelt ihrer Hotels. Wozu auch? Draussen lauert eh nur die Gefahr, die Armut und der Terror. "Da draussen ist Krieg." - "Vielleicht hat irgendein Kopftuchmädchen ihren Jungfrauentest nicht bestanden." Mit Bianca März stößt eine neue Kollegin zu ihrem Team, die den dritten Unternehmensberater ersetzt, welcher zum Partner befördert wurde. Schließlich wird die Company für die sie arbeiten selbst Opfer einer feindlichen Übernahme und ihnen bietet sich die Chance auf das ganz große Geld. Werden die drei Kannibalen zugreifen?

Das deutsche Kino traut sich was. Kaum eine Minute in der man nicht über die Vorurteile dieser stereotypen Turbokapitalisten den Kopf schütteln und lachen muss. Kai Niederländer ist ein Mann voller Neurosen, der schon mal einen Hotelangestellten schlägt, weil eine Süßigkeit zur Begrüßung auf seinem Kopfkissen gelegen hat. Frank Öllers hingegen betrügt seine Frau bei jeder sich bietenden Gelegenheit, rechtfertigt dies noch als eine Art Entwicklungshilfe und ist schlicht und ergreifend ein Rassist. Und Bianca März? Auch sie ist ein Stereotyp. Eine Frau, die sich den WIrtschaftswissenschaften zugewandt hat, weil sie etwas gutes tun wollte. Dabei steckt sie jetzt genauso im System wie die anderen. Allerdings immer noch von der Illusion begleitet den Menschen zu helfen.

Mir hat der Film echt gut gefallen und ich kann ihn ohne Vorbehalte weiter empfehlen.

Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube: Zeit der Kannibalen Trailer

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Einige Impressionen von der Premiere:


9. "Die geliebten Schwestern" am 24.07.2014 in der Lichtburg Essen

Ein Film über Schiller, einen meiner liebsten Dichter aus der Weimarer Klassik. Da war die Premiere natürlich "Pflichtprogramm" für mich. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Tatsächlich sagt man Schiller eine Dreiecksbeziehung zu den "Lengenfeld-Schwestern" nach, die auch sexueller Natur gewesen sein soll. Allerdings liegen die Ereignisse so lange zurück dass man sie nicht mehr genau rekonstruieren kann, zumal die Beteiligten nicht nur über die Angelegenheit schwiegen, sondern auch Beweise vernichteten.

Die beiden Schwestern lernte Schiller 1787 in Rudolstadt kennen und verliebte sich in sie, wie sich auch Beide in ihn verliebten. Man verlebte einen romantischen Sommer. Schließlich heiratete Schiller die Jüngere der Schwestern, da die Ältere bereits (unglücklich) verheiratet war. Trotzdem versuchte man das Dreieck beizubehalten und Schiller half der älteren Schwester auch bei ihren ersten "Gehversuchen" als Autorin.

Auch wenn der Film nicht historisch genau ist, so hat er mir doch sehr gefallen. Die Bilder, die gezeigt werden sind großartig und man fühlt sich in die Weimarer Zeit versetzt. Außergewöhnlich die Darstellung Schillers durch Florian Stetter. Diese sanfte Stimme. Die Art wie er sich bewegt. Nie wieder werde ich mir den Dichterfürsten anders vorstellen können. Aber auch das restliche Ensemble hat einen super Job gemacht und es gibt keinen Schauspieler dem man seine Rolle nicht abnimmt. Ich kann jedem den Film nur wärmstens ans Herz legen. 

Sehr gut hat mir auch gefallen dass sich die Schauspieler auf der Premiere sehr viel Zeit für die Fans genommen haben. Hannah Herzsprung konnte leider nicht anwesend sein, aber Henriette Confurius, Claudia Messner und Florian Stetter waren so freundlich mir meine Ausgabe von Schillers Räubern zu signieren.  

Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube: Die geliebten Schwestern Trailer

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Einige Impressionen von der Premiere:


 10. "Hirngespinster" am 06.10.2014 in der Lichtburg Essen

Hans Dallinger war ein erfolgreicher Architekt bis er durch eine schizophrene Erkrankung für die Firma, welche er mitbegründet hatte, untragbar wurde. Seitdem lebt er zurückgezogen mit seiner Familie in einem Haus im Süden der Republik und arbeitet an seinem Comeback, wobei er in ständiger Angst davor ist dass seine Gedanken von den Nachbarn gestohlen oder durch Satelliten und Strahlen beeinflusst werden. Unter der Situation leidet vor allem sein 22jähriger Sohn Simon, der zu Hause geblieben ist und versucht die Familie zusammen zu halten und seine 8 Jahre alte Schwester zu schützen statt sich den lang ersehnten Traum von einem Architekturstudium zu erfüllen. Der Film thematsiert die Beziehung zwischen den Beiden und während ich am Anfang dachte der Film wäre über Hans und seine Krankheit, ging mir gegen Ende auf dass der Film über Simon und seinen Umgang mit der Krankheit des Vaters ist. 

Was für ein Film. Ich war ja zuerst etwas skeptisch. Tobias Moretti hatte ich immer mit Kommissar Rex verbunden, sicher nicht seine beste Rolle und dann auch noch eine psychische Erkrankung als Thema. Wie habe ich mich doch geirrt. Bei genaurem Nachdenken erschloss sich mir die Thematik als durchaus gesellschaftlich relevant. Ich möchte nicht wissen wie viele ähnlich gelagerte Fälle es in der Bundesreublik gibt. Und Tobias Moretti? Der ruft ein schauspielerisches Können ab, welches ich so nicht erwartet hätte und mich mit tiefem Respekt erfüllt. In jeder Sekunde absolut glaubwürdig. Der Wahnsinn. Zudem ist ihm mit Jonas Nay ein Sohn an die Seite gestellt, der sich ebenfalls als Idealbesetzung erweist. Der Film hat mich wirklich überrascht, berührt und zum Nachdenken gebracht. Respekt vor so viel Leistung!

Abschließend bleibt noch zu sagen:  

"Lieber Gott wir danken dir, dass die Neger hungern und nicht wir."

Made my day.

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Einige Impressionen von der Premiere:


11. "Das Salz der Erde" am 21.10.2014 in der Lichtburg Essen

Auch wer zu den wenigen Menschen gehört, die den Namen "Wim Wenders" noch nie gehört haben, der wird jedoch von Filmen wie "Der Himmel über Berlin", "Buena Vista Social Club" und "Pina" gehört haben. Filme, die Kunstwerke sind. Kunstwerke erschaffen von Wim Wenders, diesem großartigen Regisseur. Mit "Das Salz der Erde" hat Wim Wenders ein weiteres Meisterwerk erschaffen. Es ist eine Hommage an den Fotografen Sebastiao Salgado, die zuerst als ein Film über einen Fotografen gedacht, doch so viel mehr geworden ist.

Der Brasilianer Sebastiao Salgado ist ein studiertere Ökonom, dem eine gesicherte Zukunft in den Diensten der Weltbank bevorsteht. Doch dann entdeckt er in Paris seine Liebe zur Fotografie und beschließt seinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben und Fotograf zu werden. Ein Wagnis, auch weil Sebastiao gerade eine Familie gegründet hat, doch es gelingt. Sebastiao wird ein weltberühmter Sozialfotograf, dessen Leben und Werk uns Wim Wenders vorstellt. Egal ob es sich um Arbeiter in einer brasilianischen Goldmine, den Völkermord in Ruanda, die Hungerkatastrophe in der Sahel Zone oder Naturvölker im brasilianischen Urwald handelt: Die Fotografien von Sebstiao Salgado sind stets geprägt von seinem Mitgefühl mit den Menschen. Er ist kein Voyeur mit einer Kamera und lässt den Menschen immer ihre Würde. Es ist nicht verwunderlich dass jemand, der so mit den Menschen fühlt, irgendwann eine Belastungsgrenze erreicht und so hat sich Sebastiao nach drei Jahrzehnten der "Peoplefotografie" abgewandt und nach einer Pause die Wunder der Natur, die Schönheit des Planeten Erde, als neuen Fokus seines Wirkens festgelegt.  

Der Film von Wim Wenders entfaltet eine ungeheure Wucht. Die Bilder von Sebastiao Saldago, die Schicksale die dahinter stehen. Der Wahnsinn. Ein Meisterwerk
Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube:  Das Salz der Erde Trailer
Hier findet ihr einen Link zum Film bei Amazon: Das Salz der Erde
Der Link zu den bei Taschen erschienen Bildbänden des Fotografen Sebastiao Salgado

Einige Impressionen von der Premiere:


 12. "Hin und Weg" am 23.10.2014 in der Lichtburg Essen

Selten habe ich am Ende eines Filmes Tränen der Rührung in den Augen. Bei "Hin und Weg" war es der Fall. Der Film trifft genau die richtige Mischung aus Tragödie und Komödie, ohne jemals albern zu werden. Dafür erzeugt er unglaublich viel Sympathie mit den Hauptcharakteren. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht der 36jährige Hannes, der mit seinen Freunden eine Radtour nach Ostende in Belgien machen möchte. Im Lauf der Fahrt stellt sich heraus dass es für Hannes eine Abschiedsfeier ist. Er leidet seit einigen Jahren an ALS und die Krankheit wird schlimmer, so dass er noch eine Lebenserwartung von einem bis drei Jahren hat. Hannes kennt den Verlauf der Krankheit von seinem Vater und möchte nicht so sterben wie er. Darum will er nach Belgien um dort seinem Leben selbstbestimmt mittels aktiver Sterbehilfe durch einen Arzt ein Ende zu setzen. Seine Freunde reagieren zunächst geschockt, beschließen dann aber es noch ein letztes Mal mit Hannes krachen zu lassen.

Bis zum Schluss fühlt man mit Hannes und seinen Freunden. Wirklich mitgenommen hat mich das Ende. Und es regt einen zum Nachdenken an. 

Wie stehe ich zu Sterbehilfe? 

Eine schwierige Sache. Für mich lehne ich sie ab. Egal wie schlimm es steht, ich will allles was die Medizin zu bieten hat und um jede Minute kämpfen. Denn ganz ehrlich, auch wenn mein Körper nicht mehr richtig funktioniert, bedeutet dies ja nicht das es auch so um meinen Geist steht. Auch kann niemand genau sagen was in Zuständen wie einem Wachkoma mit einem passiert. Darum würde ich nicht wollen dass irgendwelche Maschinen abgeschaltet werden. Aber jeder Mensch ist anders und wenn jemand sich dafür entscheidet sich beim Sterben helfen zu lassen, weil er Angst davor hat einen unwürdigen Tod zu haben, dann ist das okay und seine Entscheidung. 

Der Film zeigt also ein zur Zeit gesellschaftlich viel diskutiertes Thema.

Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube: Hin und Weg Trailer

Hier findet ihr einen Link zum Film bei Amazon: Hin und Weg

Einige Impressionen von der Premiere:


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13. "Der Koch" am 26.11.2014 in der Lichtburg Essen

Meine zweite Premiere mit der wunderbaren Jessica Schwarz. Ich hatte sie zuvor bereits bei der Premiere von "Jesus liebt mich" gesehen.

Nun also "Der Koch" nach dem Bestseller Roman von Martin Suter. Literaturverfilmungen stehen ja in dem Ruf oft etwas dröge zu sein. Nicht so diese.  

Der Film spielt in der Schweiz und handelt von den Verknüpfung der Lebenswege eines tamilischen Gastarbeiters mit einem besonderen Talent fürs Kochen, mit dem einer lesbischen Kellnerin, einer farbigen Prostituierten und einem einheimischen Waffenhändler.  

Der Tamile träumt von einem eigenen Restaurant. Doch er benötigt die Hilfe von jemandem mit einem schweizer Pass. Da kommt das Interesse der Kellnerin Andrea, die er bei seiner Arbeit als Küchenhilfe kennen gelernt hat, gerade Recht. Bei einem gemeinsamen Essen entpuppen sich seine Kochkünste als so die Libido anregend, dass Andrea mit ihm im Bett landet, obwohl sie lesbisch ist. So entsteht die Idee für einen "Love Food" Service, den die Beiden zuerst in Abstimmung mit zwei Paartherapeuten und später in Eigenregie betreiben. So wird aus dem "Love Food" eine regelmäßige Veranstaltung für die Herrenrunden eines reichen Waffenhändlers, der mit seinen Lieferungen nicht nur für das Elend in Sri Lanka, sondern auch für den Tod des Neffen des tamilischen Koches verantwortlich ist. Dieser sinnt auf Rache.  

Ein schöner kleiner Film, der mich gut unterhalten hat. Die Idee an sich ist spannend, sowohl was das anregende Essen als auch die Konfrontation zwischen Koch und Waffenhändler betrifft. Auch die Philosophie des Kochens (Kochen ist Verwandeln. Hartes in Weiches, Kaltes in Warmes, usw.) finde ich interessant. So habe ich das noch nie betrachtet. Lediglich etwas mehr Tiefgang bei der abschließenden Konfrontation des Kochs mit dem Waffenhändler hat mir gefehlt. Ansonsten: Guter Film!

Hier findet ihr den Link zum Filmtrailer auf Youtube: Der Koch Trailer

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Einige Impressionen (mit der neuen Kamera) von der Premiere: